Michael von der Heide/Biographie

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Michi
Michael von der Heide ist im katholischen Kurort Amden / SG hoch über dem Walensee aufgewachsen, dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wo vor jeder Hütte ein Miststock stinkt und das Postauto nur dreimal täglich fährt, da kommt er her. Sein Vater ist Deutscher (Abkömmling eines Raubrittergeschlechts), seine Mutter hat ihm Edith Piaf und Jacques Brel nahegebracht. Aufgewachsen ist er mit Paola und Ländler-Musik. Mit 16 ging er als "jeune homme au pair" ins Welschland, nahm Gesangsstunden bei der Opernsängerin Ginette Girardier in Genf und entdeckte sein Talent für Chansons. Später machte er eine Krankenpflegerlehre in Winterthur.
Michi mit Has
Kurz darauf ging er als Babysitter mit Vera Kaa auf Tournee und durfte manchmal mit auf die Bühne (1997 widmete sie ihm das Lied "Mini beschti Fründin"). Bereits 1990 versuchte Michael es am Nachwuchswettbewerb "Showszene Schweiz", kam jedoch nicht in die Kränze. Zuerst versuchte es das blondgefärbte "Boylie" mit Tigerli-Blazer und allerlei Glitzerklamotten als "Schnulzenstar vom Walensee" (Blick). "Ich habe mir die Haare blond gefärbt, um die Bühne besser auszufüllen", sagt er. Von der Schweizer Illustrierten liess er sich damals sogar mit Has im Arm ablichten und verriet im Lied "Erfolg": "Für en Pricht im Heft vom Sodomistische Club mach ich's usnahmswiis au mol mit me Schof...". 1995 gewann Michael von der Heide den "Goldenen Thunfisch". 1996 stand er als singender Schauspieler in Christoph Martalers Stück Lina Böglis Reise 70mal auf der Theaterbühne, an der Volksbühne Berlin, in Basel, Lausanne und in Zürich. Ausserdem wurde das Stück als Hörspiel fürs Radio aufgenommen. ("Ich fühlte mich wohl, habe jedoch keine Ambitionen in bezug auf reine Sprechrollen.") Heute wohnt Michael von der Heide mit seinem Partner in einer WG im Zürcher Kreis 10.
Michi mit Geiss
Für sein erstes Album Michael von der Heide (1996) schwenkte er dann aber lookmässig um zu naturbraunem Haarschopf, hellblauem Poloshirt und Ziege, soundmässig zum nicht ganz ernstzunehmenden Chansonnier, der sich zusammen mit Gitarrist und Produzent Thomas Fessler an Margrit Rainer's Chanson "Eusereine chönnt das au" (aus der Niederdorfoper) ebenso wie an Chansons von Serge Gainsbourg ("Laisser tomber les filles"), Rocksongs mit bitterbösen Texten und wunderschöne Balladen versuchte. Er kombinierte Breakbeats mit Dance-Elementen, mischte Sub-Bässe mit mittelalterlich-romantischem Liedgut und "jutzte" dazu aus voller Brust, ganz so, wie es sich für einen aus Amden gehört. "Der Rote Faden bin ich", sagte er. Hinter dem Mischpult sass übrigens der nicht ganz unbekannte Eric Merz (Rumpelstilz, Polo Hofer, Züri West, Andi Vollenweider, Lovebugs). "Une nouvelle étoile suisse est née" titelte der Nouveau quotidien. Die Platte verkaufte sich bis anhin über 6'000 mal.

Von der Heide geht es Verlautbarungen nach um die Rehabilitation des Chanson schlechthin - und um dessen Weiterentwicklung. Als erklärter Paola-Fan träumt er auch heute noch davon, dereinst am "Grand-Prix d'Eurovision de la Chanson" teilzunehmen. "Mal minimalistisch, mal opulent, mal mit Wehmut und oft mit Witz" führt er vor, wie dieses Genre in unseren Tagen zu tönen hat. Souverän bewegt er sich dabei zwischen Kitsch, Ironie und Ernsthaftigkeit. Mit heller Stimme singt er den "postmodernen Pop für die Jahrtausendwende" auf hochdeutsch, rappt auf Züritütsch und schnulzt natürlich hemmungslos en français. Schrieb die Münchner Abendzeitung "Der zarte Jüngling bringt alles mit, was es braucht, das Publikum um den Finger zu wickeln: Stimme, Musikalität, Witz, Schauspieltalent und Sex-Appeal..." - "Ob Chanson, altes Volkslied oder ein Song der Fünfziger Jahre Diseuse Margrit Rainer: Mit ironischer Leichtigkeit spielt er mit den Sehnsüchten seines Publikums." (Der Spiegel April 1997) Das Schweizer Magazin Facts reihte ihn gar zwischen Bruce Springsteen und Massive Attack in die Reihe der besten Konzerte des Jahres 1996 ein.

Mit Stiller Has hat "Michi" eigentlich recht wenig zu schaffen - ausser dass er 1997 wie zufällig recht oft an denselben Festivals wie der Has anzutreffen war und beide je ein Lied für die CD Frei und wild ("Mit dir leben!") beisteuerten. Da etwas mehrheitsfähig er als die Hasen trat von der Heide 1997 u. a. auch an den Winterthurer Musikfestwochen, am Openair St. Gallen, am Paléo Festival in Nyon und am Barden-Treffen in Nürnberg auf und tourt seither beinahe ohne Unterbruch (siehe Tagespresse!). "La Suisse - douze points!" urteilte die Berliner taz nach einem Konzert von Michael von der Heide. Für den Sampler Stop AIDS songs (1997) nahm er eine auf Paola de Medicis deutscher Version basierende Fassung von Elvis Presleys "Love me tender" im Ska-Rhythmus auf...

Michi im Blumenmeer
Am 30. März 1998 veröffentlichte von der Heide sein zweites Album 30°, angeblich "postmoderner Pop für die Jahrtausendwende", vermarktet jedenfalls vom Indie-Label BMG und voller anheimelnder Perspektiven: "...die Welt geht unter am Zürichsee bei 30° im Schatten". Auf der CD finden sich nicht nur eigene Lieder sondern auch Beiträge von Martin Suter, Milena Moser, Corin Curschellas ("Jeudi amour"), der Schlagersängerin Daniela Simmons, ein Lied von Hildegard Knef und das einst von Prinzessin Stéphanie von Monaco gesungene "Ouragan". Liebe, Totschlag, Sehnsucht, Endzeitstimmung, Auf- und Abbrüche sind die Themen, die mit Disco-Grooves, Easy-Listening-Klangteppichen, als Pop, Roadmovie-Track oder Rap im Trip Hop-Rhythmus inszeniert werden. Als musikalische Gäste mit dabei sind u. a. Betty Legler und Sina. Produziert wurde die Platte diesmal von Markus Kühne. Der aktuelle Radiohit heisst übrigens "Jeudi amour" (c'est jeudi et je dis je t'aime) und ist bestimmt ein Hasenohr voll wert... Michael von der Heide: "Wenn man denkt, Liebe ist nicht steigerbar, dann irrt man - darum geht es in Jeudi Amour. Die erste und die zweite und die dritte, vierte, fünfte Liebe, die kann auch einer einzigen Person gelten."
Michi mit Mütze
Im April 1998 begann Michi seine erste Europatournee durch die Schweiz, Frankreich und Deutschland). Als Musiker mit dabei waren Sibylle Aeberli (Gitarre, Stimme), Thomas Fessler (Gitarre, Bass), Erich Strebel (Keyboards, Sampler) und Nico Looser (Schlagzeug). Im Interview mit der Schweizer Frustrierten verriet er: "Obwohl ich mir nie Illusionen gemacht habe, war ich doch betrübt, als ich hörte, dass unser Hase tot ist. Zum Trost habe ich mir aus seinem Fell eine Mütze machen lassen." Ein Traum ging 1998 für Michi in Erfüllung, als er in der Fernsehsendung "Benissimo" mit Paola (47) ihren Hit "Blue Bayou" singen durfte. Zusätzlich präsentierte er im Mai in der biederen Frauen-Zeitschrift Annabelle (Nr. 10) die angeblich aktuelle Sommermode - dafür mimte er den Familienvater mit Frau und Kindern.
Michael von der Heide
Am 12. März 1999 vertrat Michael von der Heide mit dem Lied "Bye Bye Bar" die Schweiz an der deutschen Ausscheidung für den Concours Eurovision 1999 in Bremen und war für die Frankfurter Allgemeine Zeitung "der einzige valable Kandidat". Eigentlich hätte die Schweiz aufgrund der schlechten Resultate der letzten vier Jahre (u. a. Gunvor mit 1998 genau null Punkten) 1999 aussetzen müssen. Deutschland stellte der Schweiz aber einen Startplatz in der Deutschen Vorausscheidung zur Verfügung - trotzdem landete Michael schliesslich nur auf Platz 5. Die Gewinnerin war die blinde Corinna May, deren Lied allerdings disqualifiziert wurde, weil es bereits 1997 mit anderem Text veröffentlicht worden war. Nach Jerusalem reist nun die von Ralph Siegel (jäcch) produzierte türkisch-deutsche Gruppe Sürpriz mit dem Titel "Reise nach Jerusalem - Kudüse seyahat".

Anschliessend folgte eine Deutschlandtournee - gefolgt von einem Abstecher nach Wien. Begleitet wurde Michi dabei von Sibylle Aeberli, Nico Looser und Lili the Pink (Klavier, Gesang). Gleichzeitig erschien die deutsche Version von 30° bei RCA Hamburg, einer Tochterfirma von BMG Ariola Deutschland. Zudem war gerüchteweise von einem geplanten Duett mit Nina Hagen die Rede. Am 21. Mai begannen am Basler Stadttheater die Proben für den Liederabend "Letzte Lieder" zusammen mit dem Opernsänger Christoph Homberger und Clemens Sienknecht. Während des Sommers trat Michael dann nur an einzelnen Anlässen und ausschliesslich im Ausland auf. Am 21. September fand die Premiere des Programms "divamix" statt, das Michael mit den befreundeten Sängerinnen Maja Brunner und Christine Elisabeth Jaccard für kleine Theater konzipiert hatte: im Lichtschein der offenen Kühlschranktüre kramt ein Trio in Frisuren, Diamanten und Musikreliquien. Verhandelt werden Temporärehen, abgesagte Hochzeiten, Geschichten aus der Altpapiersammlung. Ab und zu hoppelt augenzwinkernd ein silbergrauer Showhase über die Bühne - Liebe, Sehnsucht, Endzeitstimmung - Friede, Freude, Eierkuchen. Am Piano wird Philipp Dankner zu hören sein. Im März 2000 erhielt Michael von der Heide den "Deutschen Kleinkunstpreis 2000" im Bereich Chanson.

Am 10. April 2000 erschien das dritte Album Tourist. Produziert von Tom Etter (Starfish) und Gert Stäuble (Züri West) enthält es vor allem Französisch gesungene Texte von Michael selbst, die musikalisch leider ziemlich abfielen. Immerhin wurden die erste Single Je suis seul sowie das Lied "Voilà la nuit" von der tollen Annette Humpe geschrieben. Ebenfalls wieder mit dabei war ein Lied von Corin Curschellas ("Voisin inconnu"), ausserdem zusätzlich das Duett "Where the wild roses grow" mit Kuno Lauener (Züri West).

Ab 28. April 2000 war Michael von der Heide dann wieder auf Tournee.