1972 Film "Aguirre (Der Zorn Gottes)"

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Laser Disc
Erstaufführung Filmtitel Dauer Verleih Freigabe
1972.12.29 Köln Aguirre (Der Zorn Gottes) 93 Min.
Englisch
country de.gif DE: Filmverlag der Autoren 12
1973.01.16 Köln Aguirre (Der Zorn Gottes) Deutsche Synchronfassung country de.gif DE: 12
1975 Aguirre (La colère de Dieu) country fr.gif FR:
Aguirre (Furore di Dio) country it.gif IT:
Aguirre (La ira de Dios) 94 Min. country es.gif ES:
Aguirre (Den gale erobrer) 95 Min. country dk.gif DK:
Aguirre (The wrath of God) 90 Min. country us.gif US: New Yorker Films
[Video] Aguirre (Der Zorn Gottes) 93 Min. country de.gif DE:
[Video] Aguirre (The wrath of God) 94 Min. country us.gif US: New Star Video 22091 "Herzog Collection"
[Deutsch mit englischen Untertiteln]
[Laserdisc] Aguirre, Wrath of God country us.gif US:
Produktion Werner Herzog für country de.gif DE: Werner Herzog / country de.gif DE: Hessischer Rundfunk
Drehbuch Werner Herzog nach dem Tagebuch von Gaspar de Carvajal, einem der Männer der spanischen Armee, die den wirklichen Gonzalez Pizarro begleiteten
Regie Werner Herzog. - Assistenz: Gustavo Ceff Arbulu
Kamera Thomas Mauch, Francisco Joán, Orlando Macchiavello. - [Farbe (Eastmancolor) 16 mm]
Darsteller Klaus Kinski (Don Lope de Aguirre), Ruy Guerra (Don Pedro de Ursúa), Del Negro (Bruder Gaspar de Carvajal), Helena Rojo (Inés de Atienza), Cecilia Rivera (Flores, Aguirres Tochter), Peter Berling (Don Fernando de Guzmán), Alejandro Repullés (Gonzalo Pizarro), Daniel Ades (Perucho), Armando Polanha (Armando), Edward Roland (Okello), Daniel Farfán, Alejandro Chavez, Antonio Marquez, Julio Martinez
Sprache Englisch. - Deutsche Synchronfassung
Schnitt Beate Mainka-Jellinghaus
Produktionsleitung Walter Saxer
Ton Herbert Prasch
Synchronisation Bob Oliver
Mitarbeit Martje Grohmann, Georg Hagmüller, Ina Fritsche, René Lechleitner, Ovidio Ore
Musik Popol Vuh
Spezialeffekte Juvenal Herrera, Miguel Vázquez
Drehort An den Flüssen Huallaga und Nanay am oberen Amazonas in Peru
Drehzeit 1972.01-02

Ein vielschichtiger Abenteuerfilm über die monströse Führerfigur des Aguirre, über Imperialismus, Grössenwahn und Irrsinn, in einer beispielhaften Inszenierung, die um authentische Erzählweise bemüht ist. Der Stoff geht auf eine historische Chronik zurück und wurde an Originalschauplätzen verfilmt.

In Peru soll Regisseur Herzog Klaus Kinski mit Waffengewalt zum Weiterdrehen gezwungen haben, als dieser mitten in den Dreharbeiten aussteigen wollte.

Als ich in voller Ausrüstung in ein Sumpfloch stürze und versuche, meinen Körper aus dem Schlamm zu befreien, in den ich immer tiefer einsinke, schreie ich in blinder Raserei: "Ich haue ab! Und wenn ich bis zum Atlantischen Ozean paddeln muss!!"

"Wenn du abhaust, lasse ich dich über die Klinge springen", sagt dieser Schlappschwanz von Herzog, wobei er ganz erschrocken aussieht wegen dem Risiko, auf das er sich einlässt.

"Was für eine Klinge, du Grossmaul?" frage ich, in der Hoffnung, dass er mich angreift und ich ihn in Notwehr erschlage.

"Ich werde auf dich schiessen", faselt er wie ein Paralytiker, der bereits Gehirnerweichung hat. "Acht Kugeln sind für dich, und die neunte Kugel ist für mich selbst."

Wer hat je von einem Gewehr oder einer Pistole mit neun Patronen gehört? Das gibt es überhaupt nicht! Ausserdem hat er keine Waffe. Ich weiss es. Er hat weder ein Gewehr noch eine Pistole, nicht einmal ein Buschmesser. Nicht einmal ein Taschenmesser. Nicht einmal einen Flaschenöffner. Ich bin der einzige, der ein Gewehr besitzt. Eine Winchester. Ich habe eine Sondergenehmigung von der peruanischen Regierung. Um Patronen zu kaufen, musste ich mir tagelang die Hacken ablaufen, von einer Polizeistation zu anderen, für Unterschriften, Stempel, all diesen Scheiss.

"Ich warte auf dich, du Ungeziefer", sage ich und bin richtig froh, dass es endlich so weit gekommen ist. "Ich gehe jetzt auf mein Floss zurück und warte auf dich. Wenn du kommst, werde ich dich abknallen."

Dann bahne ich mir einen Weg zu unserem Floss, wo Minhoï in einer Hängematte eingeschlafen ist, lade meine Winchester und warte.

Um ca. 4 Uhr morgens kommt Herzog zu unserem Floss gepaddelt und bittet um Verzeihung.

Quelle: 1991 Klaus Kinski Buch Ich brauche Liebe S. 292-293

Besonders eindrücklich ist die Kameraarbeit. Tatsächlich wurden die meisten Szenen auf dem Floss gedreht und man fragt sich, wo zum Teufel jeweils die Kamera stand?! Anstatt eine actionreiche Geschichte zu entwickeln lässt Herzog vor allem die wilden Bilder des Urwalds wirken.

  • Das Publikum hat eine hochentwickelte Intuition für ein authentisches Kinoangebot... Beispiel: 50% der Besucher waren an dem Titel Aguirre, der Zorn Gottes interessiert, 60% der Besucher kannten Klaus Kinski, davon konnten wiederum 50% es sich als besonders aufregend vorstellen, Klaus Kinski als zornigen Gott zu sehen. Obwohl der Film in einem Programmkino lief, kannten nur 12% den Regisseur Werner Herzog. [angeblich nach einer Meinungsumfrage des Filmverlags der Autoren] [Bestandesaufnahme: Utopie Film, 1983, hrsg. von Alexander Kluge]

Inhalt

1560 bricht eine grosse Expedition unter Führung des Conquistadors Gonzalo Pizarro (Alejandro Pepullés) - Halbbruder von Francisco Pizarro - von den peruanischen Anden aus auf, um im Amazonasgebiet das Goldland "El Dorado" zu suchen. Pizarro schickt einen Vortrupp von 40 Mann unter dem Kommando von Don Pedro de Ursúa (Ruy Guerra) zur Erkundung voraus. Mit dabei ist auch Don Lope de Aguirre (Klaus Kinski), der es durchsetzt, dass sich die Truppe vom Hauptheer trennt, um El Dorado auf eigene Faust zu finden. Zunächst entledigt sich Aguirre seiner Widersacher, krönt einen kleinen Edelmann zum Kaiser von Peru und "El Dorado" und erklärt König Philipp II. von Spanien für abgesetzt. Er selber nennt sich jetzt "Der Zorn Gottes" und hält mit weit aufgerissenen Augen eine Rede. Dann lässt er sich mit seinen Soldaten auf einem Floss flussabwärts treiben. Hunger, Fieber und Indianerüberfälle dezimieren die kleine Truppe - die Getroffenen schreien nicht einmal mehr auf, wenn sie von den Pfeilen durchbohrt werden. Aguirre versucht noch, das Meer zu erreichen, um ganz Neuspanien an sich zu reissen und mit seiner 15jährigen Tochter eine neue, "reine" Dynastie zu gründen. Er endet allein und dem Wahnsinn verfallen auf einem Floss voller Affen und wird von einem Pfeil getroffen.

Literatur

  • Drehbücher II / Werner Herzog. - München : Skellig Edition, 1977. - S. 7-100
  • Aguirre, la colère de dieu : decoupage - après montage definitif - et dialogue in-extenso. In: L'avant-scène du cinéma Nr. 210 (15.06.1978) [Protokoll]
  • Harald Greve, Siegfried Schober: Interview. In: Süddeutsche Zeitung (22.-23.04.1972)
  • Peter B. Schumann: Interview. In: Kirche und Film Nr. 1 (Januar 1973)
  • G. P. [= Günther Pflaum]: Interview. In: Film-Korrespondenz Nr. 2 (Februar 1973)
  • Nourredine Ghali: Interview. In: Jeune cinéma Nr. 81 (September-Oktober 1974)
  • Jacques Zimmer: Interview. In: La revue du cinéma : image et son Nr. 294 (März 1975)

Kritik

  • Wolfgang Limmer. In: Medium Nr. 1 (Januar 1973)
  • <a href=../presse/derspiegel19730115.html>Grosses Scheitern</a>. In: Der Spiegel Nr. 3 (15.01.1973) S. 115
  • hrb [= Heiko R. Blum]. In: Frankfurter Rundschau (16.01.1973)
  • Wolfgang Ruf. In: Süddeutsche Zeitung (16.01.1973)
  • gaz [= Günter Zehm]. In: Die Welt (18.01.1973)
  • Karl Korn. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (18.01.1973)
  • H. G. Pflaum. In: Süddeutsche Zeitung (18.01.1973)
  • Günther Pflaum. In: Funk-Korrespondenz Nr. 4 (24.01.1973)
  • G. P. [= Günther Pflaum]. In: Film-Dienst (06.02.1973) FD-Nr. 18164
  • Elsbeth Prisi. In: Zoom-Filmberater Nr. 12 (21.06.1973)
  • Nourredine Ghali. In: Jeune cinéma Nr. 72 (Juli-August 1973)
  • Siegfried Schober. In: Süddeutsche Zeitung (19.-20.04.1974)
  • Tony Rayns. In: Sight And Sound Vol. 4 Nr. 1 (Winter 1974-1975)
  • Richard Combs. In: Monthly Film Bulletin Nr. 492 (Januar 1975)
  • Derek Elley. In: Films And Filming Vol. 21 Nr. 5 (Februar 1975)
  • Alain Garsault. In: Positif Nr. 167 (März 1975)
  • Jean-François Six. In: Le monde (06.04.1975)
  • Claude-Michel Cluny. In: Cinéma (Paris) Nr. 197 (April 1975)
  • Guy Gauthier, Alain Garel. In: La revue du cinéma : image et son Nr. 295 (April 1975)
  • Noël Simsolo. [mit Interview] In: Ecran (Paris) Nr. 35 (April 1975)
  • N. M. [= Nikolaus Marggraf]. In: Frankfurter Rundschau (13.06.1975)
  • Jean-Pierre Oudart: Un pouvoir qui ne pense, ne calcule, ni ne juge? (Aguirre. Lancelot). In: Cahiers du cinéma Nr. 258-259 (Juli-August 1975)
  • Andrea Simon. In: Monogram (London) Nr. 6 (Oktober 1975)
  • Alain Garel. In: La revue du cinéma : image et son Nr. 308 (1976-1977)
  • Michel Clarembeaux. In: Revue belge du cinéma Nr. 5-6 (Juni 1977)
  • Rob. Walton: Mad about you (Creative Loafing)
  • Review of Aguirre (Dynamo Russ Archives)
  • Aguirre (Basement Films Archive)