Notizen zum Tage

6. Oktober 2008

Wo ist meine Kohle abgeblieben?

Der SMI schloss heute 6,12 Prozent tiefer auf 6458,72 Punkten - einen noch stärkeren Taucher machte die Schweizer Börse letztmals im September 2001 anlässlich der Terrorangriffe in den USA. Mit dem Geld ist das ja so eine Sache - eigentlich weiss keiner, woher es kommt und wohin es geht. Man weiss noch nicht mal, wer es wirklich hat. Zeit also, um sich mal etwas damit zu beschäftigen.

  • Money as debt - Animation von Paul Grignon (mit deutschen Untertiteln)
  • Geld als Schuld - deutschsprachige Textzusammenfassung der Animation Money as debt

Leider bringt das meine Kohle auch nicht zurück, aber immerhin beginne ich zu ahnen, wohin die Stecken weggewachsen sind.

Zweimal Referendum

Schön, dass das Referendum gegen die Fortsetzung und Erweiterung der Personenfreizügigkeit mit der EU zustandegekommen ist, obwohl es von keiner der grossen Parteien unterstützt wird. So wird am Schluss also doch der Inhaber der Staatsgewalt, nämlich das Volk, entscheiden und nicht eine Clique von machtgeilen Sesselfurzern in Bern. Diese hinterfotzige Art der Parlamentsmehrheit gehört abgestraft. Da wird jahrelang versprochen, über diese Verträge könne jederzeit abgestimmt werden, doch wenn es soweit ist, dreht Bundesbern dem Bürger eine lange Nase. Ich für meinen Teil werde allein schon deshalb Nein stimmen, weil mir unsere langfristige Entscheidungsfreiheit wichtiger ist als ein angeblicher wirtschaftlicher Vorteil. Die Missachtung des Volkes dauert schon viel zu lange. Zwar glaube ich noch nicht daran - doch meinetwegen dürfte die EU ruhig mal zur Kenntnis nehmen, dass Verträge sich auch bei Unzufriedenheit nicht trotzdem automatisch verlängern und von beiden Vertragspartnern gekündigt werden können.

Und sehr schön auch, dass das Referendum gegen Biometrische Schweizer Pässe und Identitätskarten zustandegekommen ist. Nach dem Willen von Bundesrat und Parlamentsmehrheit sollen nämlich ab 1. März 2010 alle Schweizer Pässe und Identitätskarten zwingend mit biometrischen Daten und einem RFID-Chip versehen werden. All diese Daten sollen in einer zentralen Datenbank des Bundes gespeichert werden und ausländische Regierungen und private Unternehmen sollen Zugriff auf diese persönlichen und vertraulichen Informationen erhalten. Noch schöner, dass dieses Referendum von einem überparteilichen Komitee ergriffen wurde - unter anderem durch Mitglieder der Grünen, der Sozialdemokraten, der Schweizer Demokraten und der Schweizerischen Volkspartei. Einzig Mitglieder der Mitte-überversicherte-Schisser-Parteien CVP und FDP fehlen natürlich.

US-Präsidentschaftswahlkampf

Nach wie vor glaube ich nicht, dass in den USA ein Halbschwarzer Präsident werden kann. Vorher noch wird das Land zur Räterepublik. Mir ist auch weiterhin völlig schleierhaft, was sich Europa von diesem Herrn Obama eigentlich verspricht. Das Goldene Zeitalter wird auch er nicht anbrechen lassen und zudem stellt sich Frau Palin in Wirklichkeit nicht halb so bescheuert an wie zur Zeit gern behauptet wird (siehe Interviewaufzeichnungen bei YouTube). Es scheint in Europa seit Jahrzehnten geradezu eine Manie zu sein, den Kandidaten der Republikaner jeweils als Dummkopf und den der Demokraten als Heilsbringer darzustellen. Das nennt sich die europäische Fähigkeit zur Differenzierung. Mich erstaunt doch sehr, wie kritiklos die meisten Artikel einfach nur Pro-Obama und Anti-McCain sind - anstatt Berichterstattung dumpfe Propaganda. Mit dem von mir vermuteten Ergebnis, dass Messias Obama in 12 Monaten in genau die Unbekanntheit zurückgekehrt sein wird, aus der er vor 12 Monaten aufgetaucht ist. Und dass die europäischen Zeitungen McCains Bild in den nächsten vier Jahren noch oft genug werden zeigen müssen und vielleicht nur deswegen gegenwärtig lieber drei Artikel über Obama schreiben als einen über McCain. Fest steht aber eins: Der US-amerikanische Präsident wird in den USA gewählt, nicht in Europa. Was aber auch nichts an Charles Bukowski Feststellung von 1972 ändert: “The difference between the Republicans and the Democrats is the difference between warm shit and cold shit.”

Eheliches Leben

18. August 2008

Also spricht der Tod zum Ackermann: “Du lobst über die Massen eheliches Leben; jedoch wollen Wir dir etwas vom ehelichen Leben erzählen, ungeachtet aller reinen Frauen. Sobald ein Mann ein Weib nimmt, alsbald sind sie beide in Unserem Gefängnis. Sogleich hat er eine Verpflichtung, eine Sorge, einen Handschlitten, ein Joch, ein Kummet, eine Bürde, eine schwere Last, einen Fegeteufel, eine tägliche Rossfeile, die er nicht loswerden kann, solange Wir nicht an ihm Unsere Gnade ausüben. Ein beweibter Mann hat Donner, Hagel, Füchse, Schlangen jeden Tag in seinem Hause. Ein Weib trachtet jeden Tag danach, dass sie Herr werde. Zieht er hinauf, so zieht sie hinab; will er dies, so will sie das; will er hierhin, so will sie dorthin. Solches Spiels wird er satt und sieglos jeden Tag. Betrügen, überlisten, schmeicheln, um den Bart gehen, liebkosen, widerstreben, lachen, weinen kann sie alles in einem Augenblick; angeboren ist es ihr. Krank zur Arbeit, gesund zur Wollust, dazu zahm oder wild ist sie, wenn sie dessen bedarf. Um ein Widerwort zu finden, bedarf sie keines Beraters. Gebotene Dinge nicht zu tun, verbotene Dinge zu tun, befleissigt sie sich jederzeit. Das ist ihr zu süss, das ist ihr zu sauer, das ist ihr zuviel, das ist ihr zuwenig, nun ist es zu früh, nun ist es zu spät; so wird alles getadelt. Wird jemals etwas von ihr gelobt, so muss es mit Schanden in einem Drechselstuhl gedreht werden, und auch dann wird das Loben oft mit Spott vermischt. Ein Mann, der in der Ehe lebt, kann kein Mittelmass halten. Ist er zu gütig, ist er zu scharf, um beides wird er mit Schaden gescholten. Sei er auch halb gütig und scharf, dennoch gibt es da kein Mittel; Schaden und Schelten bringt es stets ein. Jeden Tag neue Zumutung oder Keifen, jede Woche befremdliche Forderungen oder Murren, jeden Monat neuen hässlichen Unflat oder Zürnen, jedes Jahr neue Kleider oder Tag für Tag Zank muss ein beweibter Mann haben, er heirate, wen er wolle. Der Nächte Ärgernis sei ganz verschwiegen; Unseres Alters wegen schämen wir uns. Schonten Wir nicht die ehrbaren Frauen, so könnten Wir von den ehrlosen noch viel mehr singen und sagen.”

(Kapitel 28 des Buchs Der Ackermann und der Tod aus dem Jahre 1401, von Johannes von Tepl)

Geheimnis, wie man alt wird

7. August 2008

Folgendes ist das Geheimnis, wie man so alt wird wie Olav aus dem südnorwegischen Setesdal, der zum Zeitpunkt der Aufzeichnung durch Günter Ludwig für die Zeitschrift Merian (Oslo, Südnorwegen) (Juni 1971) immerhin schon 83 Jahre zählte:

  • Jeden Tag sollte man mindestens zwei Kilometer zu Fuss gehen.
  • Mässig essen und trinken und gelegentlich auch einen “Drammen” (einen Schluck Schnaps).
  • Sehr wichtig, dass man immer das Interesse an den Frauen behält (seine gleichaltrige Frau Targeir soll über diesen Rat ziemlich erbost gewesen sein).
  • Immer für guten Humor sorgen und nachts bei offenem Fenster schlafen.
  • “Arbeite nicht zuviel mit den Händen, sondern sitz und denk mit deinem Kopf, und wenn du es kannst, spekulier ein bisschen vor dich hin.”

In seiner Jugend soll Olav übrigens ein berühmter Spieler auf der Hardangerfiedel gewesen sein.

Stenka Rasin

19. Juli 2008

Dem Räuber-Revolutionär Stenka Rasin (etwa 1630-1671) bewahren die russischen Bauern bis heute ein ehrendes und von zahlreichen Legenden umranktes Andenken. Nach Streifzügen gegen Krimtataren und Türken unternahm er 1667-1669 einen Raubzug an die persischen Küstengebiete des Kaspischen Meeres. Von 1670-1671 war er der Führer eines letztlich erfolglosen antirussischen Volksaufstandes am unteren Don sowie an der unteren und mittleren Wolga.

Am 6. Juni 1671 wurde er durch Vierteilung auf dem Roten Platz in Moskau hingerichtet.

Vera Kaa

30. November 2007

Die Schweizer Sängerin Vera Kaa war Anfang der 1980er Jahre mit ihrem Album Das macht dich frisch (1981) sowie den Liedern “Bye bye (Das war’s schon)” und “Schuld war nur der Bossa Nova” erfolgreich. Ab 1987 begann sie Bertolt Brecht und Seemannslieder zu singen, die sie 1993 auch auf Platte veröffentlichte. In den 1990er Jahren konnte sie sich mit ihren Alben Different ways (1991), Tango (1992) und In-Team… oder die Kunst eine Frau zu sein (1997) jeweils in den Top 30 der Schweizer Hitparade plazieren. Ihre seitherigen Produktionen gingen jedoch regelrecht unter.

Seit 2005 war Vera Kaa dann mit ihrem Programm “Blues’n'more” unterwegs, was schliesslich zu ihrem aktuellen Album Quietly blue (2007) führte, auf dem sie zwölf Cover-Versionen versammelte, darunter “Lady sings the blues” von Billie Holiday, “Guilty” von Randy Newman, “So lonesome I could cry” von Hank Williams, zwei Lieder von Otis Redding sowie das Schweizer Volkslied “Stets in Truure”.

Greg Irons (1947-1984)

16. November 2007

Greg Irons war ein US-amerikanischer Zeichner aus Philadelphia, der sich 1967 nach San Francisco aufmachte und dort einige der schönsten psychedelischen Konzertplakate gestaltete. Klar, dass dazu auch reichlicher Drogenkonsum gehörte. Ab 1969 begann er auch Underground Comix zu zeichnen, u. a. für die Magazine Yellow dog, Skull und Slow death. Zu seinen bekanntesten Comics gehören The Legion of Charlies über Charles Manson und das Massaker von My Lai, sowie die verschiedenen Comics über sein alter ego, “Gregor, den purpurärschigen Pavian”. Ab 1980 wandte er sich schliesslich professionell dem Tätowieren zu und gilt heute als einer der Initiatoren der “West Coast Tattoo Renaissance”.

“Imagine Dürer tattooing a dragon on a Hell’s Angel’s ass. That’s the Greg Irons story.” (Tom Veitch)

RapeX

2. November 2007

Das “Anti-Vergewaltigungs-Kondom” RapeX wurde in 35jähriger Arbeit von Sonette Ehlers entwickelt, nachdem ihr ein junges Vergewaltigungsopfer 1969 gesagt hatte: “Wenn ich bloss Zähne da unten hätte!” RapeX soll Frauen eine Möglichkeit zu geben, sich gegen Vergewaltiger zu wehren - speziell zu diesem Zweck ist das Gerät mit vierzig nach innen gerichteten Widerhaken versehen. Es wird wie ein Tampon getragen und ist also von aussen nicht sichtbar. Es soll einerseits Vergewaltigung verhindern, andererseits die Identifikation des Vergewaltigers ermöglichen, da es nach dem Einsatz nur von einer medizinischen Fachkraft wieder entfernt werden kann.

Der RapeX-Protoyp wurde am 31. August 2005 in Südafrika vorgestellt, wo jährlich über 50′000 Vergewaltigungen angezeigt werden, davon 40 Prozent von unter 18jährigen (die Dunkelziffer soll um das vierfache höher liegen), wo mindestens ein Fünftel der Bevölkerung vom HIV-Virus infiziert ist und wo gleichzeitig der Aberglaube verbreitet ist, durch Sex mit einer Jungfrau könne AIDS geheilt werden.

Freiwillig wird dieses “Kondom” bestimmt keiner anziehen… Wie es aussieht war zwar vorgesehen, das Teil ab Mai 2007 in China herstellen zu lassen, aber seither hat man nichts mehr davon gehört.

Windows 2000 auf VMware Workstation 6.0.1 und VirtualBox 1.5.0 unter Ubuntu 7.10

24. Oktober 2007

Nach der Installation von Windows 2000 Professional tritt sowohl unter VMware Workstation 6.0.1 wie auch unter Innotek VirtualBox 1.5.0_OSE folgender Fehler auf:

Versagen der Benutzeroberfläche
Die DLL für die Anmeldungsbenutzeroberfläche (msgina.dll) wurde nicht geladen.
Wenden Sie sich an den Systemadministrator, um die DLL zu ersetzen,
oder stellen Sie die ursprüngliche DLL wieder her.

Das ist natürlich mal wieder typisch Windows. Der Grund dafür ist ein Bug im Festplattentreiber von Windows 2000. Siehe dazu:

Um den Fehler loszuwerden muss möglichst rasch das Windows 2000 Service Pack 4 eingespielt werden - also erstmal mit dem Internet verbinden und die Windows-Update-Orgie abfeiern.

Natürlich kann es dabei vorkommen, dass Windows 2000 bereits bei der verschiedenen Neustarts während der Updates an dieser nicht ladbaren Datei “msgina.dll” hängenbleibt. In diesem Falle kann man entweder ein paar Male neu starten und hoffen, dass der Startvorgang durchläuft (das klappte bei mir). Wenn alles nichts nützt, dann hilft womöglich folgendes Vorgehen:

  1. Einlegen der Windows 2000-Installations-CD ins CD-ROM-Laufwerk.
  2. Über die CD-ROM ins Setup booten.
  3. Auswählen der Wiederherstellungskonsole (”emergency recovery console”).
  4. Wechsel zum CD-ROM-Laufwerk.
  5. Wechsel ins Verzeichnis “i386″ auf dem CD-ROM-Laufwerk.
  6. Auf der Befehlszeile muss folgender Befehl abgesetzt werden:
    expand msgina.dl_ C:\WINNT\system32\msgina.dll
  7. Neustarten der virtuellen Maschine.

Seltene Wörter

23. Oktober 2007

Werst

Die Werst (russ. Верста́, Betonung auf der letzten Silbe; Zeichen: W) ist ein altes russisches Längenmass. Ihre Länge wurde durch einen Ukas vom 23. Oktober 1835 auf 1′066.78 Meter festgelegt:

1 russische Meile (russ. Миля) = 7 Werst = 7.4676 km

1 Werst = 500 Saschen (russ. Сажень) = 1′066.78 m

1 Saschen = 3 Arschin (russ. Аршин) = 2.1336 m

1 Arschin = 28 Zoll = 71.12 cm bzw. 1 Arschin = 16 Werschock = 71.12 cm

Die Werst taucht auch im russischen Sprichwort auf:

  • “Besser zwei Werst krummen Weg als eine Werst geraden Weg.”
  • “Besser das Flachland entlang eine Werst Umweg machen als eine Spanne bergauf fahren.”
  • “Mach lieber einen neun Werst langen Umweg, als dass du eine Werst geradeaus gehst.”

Kolli

“Der Postbeamte wandte sich zum Kutscher, der mit dem grossen Lederkolli auf dem Rücken im Türrahmen steckengeblieben war.” - “Nachdem er diese Rede […] von sich gegeben, ging der Kutscher nach draussen, um nach kurzer Zeit ein zweites, etwas kleineres Kolli hereinzuschleppen.” (beide aus: Anton Tschechow Die Hexe, 1886)

In der Logistik wird alles, was sich “am Stück” transportieren lässt, als “Stückgut” bezeichnet:

  • Das Kollo (Plural: Kolli, auch: Colli; von italien. collo, französ. colis) bezeichnet eine kleinste Einheit einer Warensendung (z. B. Kiste, Verschlag, Ballen, Sack, Bündel usw.); Stücke, die in völlig unterschiedlicher, uneinheitlicher Form und Grösse vorliegen, werden dagegen als “Einzelstück” oder “Verpackungseinheit” bezeichnet.
  • “Stück” bezeichnet immer Kolli derselben Art
  • “Sammelgut” bezeichnet die Zusammenfassung von gleichen oder verschiedenen Stückgütern zu einem Stück.

Was immer nun der Kutscher hereingetragen hat, offenbar hat er kein “Kolli”, sondern ein “Kollo” hereingetragen. Also wohl ein einzelnes Stück der Postladung, mit der er unterwegs war.

Karnies

“Zudem ist Jelissej Jelissejitsch wie einer jener düsteren Atlasse, die, gebeugt und mit vor Leid gerunzelter Miene, seit siebzig Jahren auf der Miljonnaja das Karnies der Eremitage stützen.” (aus: Jewgenij Samjatin Mamaj, 1920)

Das Karnies (griech. kronis “gekrümmt”; italien. cornie “Fries, Rahmen”; auch: Glockenleiste) ist in der Architektur ein S-förmiges, also konkav-konvex profiliertes Bauglied. Das Karnies gibt es sowohl in grosser Ausführung bei Säulen und Pfeilern (an Basis und Kapitell), aber auch in kleiner und feiner Form an Tischplatten und anderen Möbeln, sowie bei Bilderrahmen, Wandvertäfelungen usw.

Je nach seiner Funktion am Baukörper kann es sich um ein “tragendes Karnies” (als Zwischenglied) oder um ein “bekrönendes Karnies” (als oberer Abschluss, etwa bei einem Gesims). Je nach Anordnung des konvexen Profilteils handelt es sich um ein “steigendes Karnies”, wenn er oben (z. B. bei Säulenkapitellen), um ein “fallendes Karnies”, wenn er unten angebracht ist. Ersteres kann dann “bekrönend” oder “stützend” sein, letzteres “auslaufend” oder “fussend”.

Bei den eingangs erwähnten “Atlassen” (oder vielmehr Atlanten, also männlichen Karyatiden) handelt es sich um diejenigen am alten Eingang zur 1839-1852 erbauten Neuen Eremitage an der Miljonnaja-Strasse in St. Petersburg, die der Bildhauer Alexander Terebenew aus Granit erschuf. Unklar bleibt mir allerdings, in welcher Form diese zehn Atlanten “das Karnies der Eremitage” stützen sollen. Ich sehe kein Karnies…

Top 10 der Bash-Befehle

21. Oktober 2007

Die folgende Befehlsfolge zeigt, welche Bash-Befehle ich seit dem 17. Oktober auf meinem neuen Ubuntu 7.10-System am häufigsten ausgeführt habe:

$ history | awk '{print $2}' | sort | uniq -c | sort -nr | head
    238 ls
    203 cd
     41 sudo
     40 mplayer
     26 more
     21 rm
     21 mv
     19 qmv
     17 history
     10 echo

Und was sieht man daraus? Dass ich öfter mal als Superuser arbeite (sudo), dass ich Filme guck und Musik höre (mplayer), dass ich öfter mehrere Dateien gleichzeitig umbenenne (qmv) und dass ich ein wenig mit obiger Zeile rumgespielt habe (history)…

Natürlich ist die ausgegebene Liste erklärungsbedürftig:

  1. Die Ausgabeliste berücksichtigt nur die in der “history” noch vorhandenen Einträge. Die Anzahl der dort zu speichernden Zeilen lässt sich aber über die Variable “$HISTSIZE” einstellen - am besten direkt in der Datei “/etc/profile” mit folgendem Befehl (für 5′000 Zeilen):
    export HISTSIZE=5000
  2. In der Ausgabe werden immer nur die ersten Befehle berücksichtigt - durch Pipes miteinander verknüpfte Folgebefehle werden also nicht mitgezählt. Der folgende Befehl zählt aber auch die durch Pipes miteinander verknüpften Befehle:
    history | sed 's/|/\nx /' | awk '{print $2}' | sort | uniq -c | sort -nr | head

Die goldene Galeere

20. Oktober 2007

1990 veröffentlichte der damals 16jährige Jacek Dukaj im ultrakatholischen Polen seine erste Science Fiction-Erzählung “Die goldene Galeere” (poln. “Złota galera”), die eine neue literarische Mode in die Wege leitete: eine stark religionskritisch und antiklerikal geprägte phantastische Literatur, in welcher der Triumph der Kirche als positive Entwicklung in Frage gestellt und die gesellschaftskritische Komponente in den Vordergrund gerückt wurde.

In “Die goldene Galeere” umfasst das irdische Imperium fast den ganzen Kosmos. Die Macht in diesem, sich als “Reich Gottes” begreifenden Staatswesen, liegt in den Händen der “Seligen Truppen”, einer straff militäriscn organisierten und geheimdienstlich arbeitenden Struktur mit den besten Verbindungen “nach oben”, deren Aufgabe darin besteht, den Glauben in den Menschen zu festigen und ihn gegen die Angriffe der “anderen Seite” zu verteidigen. Dabei bedienen sich die “Seligen Truppen” einer derart ausgeklügelten Technik, dass sie inzwischen an Magie und Wunder denken lässt. Diese ultramoderne Mischung aus Inquisition und CIA soll sogar schon Kommandotruppen in die Hölle entsandt haben.

Milliarden von Menschen glauben also nach den Zehn Geboten zu leben und der Erlösung und der ewigen Gottesschau sicher sein zu können. Aufrecht erhalten wird diese tiefe Überzeugung durch regelmässig wiederholte Taufen und rücksichtslose Verfolgung von Nichtgläubigen (etwa Neosatanisten), die sich in schwer zugänglichen Waldgebieten zu verstecken suchen und einmal gefangen genommen Busse tun müssen.

Doch eines Tages bricht ein fremder Faktor mit aller Wucht in diese Seligkeit herein und bringt das ganze Gebilde mit erstaunlicher Leichtigkeit zum Einsturz: An den Aussengrenzen des Imperiums taucht aus dem Nichts ein Riesenraumschiff in Form einer goldenen Galeere mit sechshundert Milliarden Rudern auf und nimmt Kurs auf die Erde, das Zentrum des Reiches. Alle Planeten, an denen die Galeere vorbeirast, werden entvölkert. In ihrer Arroganz wollen es die Anführer der “Seligen Truppen” eine Zeit lang nicht wahrhaben, doch schliesslich müssen sie die schreckliche Wahrheit zugeben: An Bord der goldenen Galeere befindet sich Satan höchstpersönlich, und er ist nicht gekommen, um in der letzten Schlacht, im Armageddon, gegen Gott zu unterliegen, sondern er trifft als der wahre Herrscher über die Menschen ein und nimmt nur das mit an Bord, was ihm zusteht: die Menschenseelen.

Nur eine Handvoll Überlebender, welche die göttlichen Gebote wirklich verinnerlicht und nach ihnen gelebt haben, bleibt zurück. Alle Mitglieder der “Seligen Truppen”, die Bewahrer des Glaubens, finden sich hingegen an die Ruder der Teufelsgaleere angekettet wieder.

Zattoo auf Ubuntu

19. Oktober 2007

Zattoo funktioniert seit längerem auch unter Linux - damit lassen sich zur Zeit 41 Fernsehsender übers Internet empfangen. Mein erster Installationsversuch im Sommer scheiterte jedoch an einer untauglichen Grafikkarte (”Window system doesn’t support OpenGL”).

Am 18. Oktober 2007 erschien nun Ubuntu 7.10 Gutsy Gibbon, das ich sogleich auf meinem zweiten Rechner installiert habe, der auch über eine vernünftige Grafikkarte verfügt (ASUS N7600GS mit Nvidia-Chip). Also wie krieg ich nun Zattoo zum Laufen? Meine Installationsanleitung zeigt wie’s geht; im Grunde ganz einfach, wenn man auf Fehlermeldungen verzichten will:

  • Im Menü “System > Systemverwaltung > Verwaltung eingeschränkter Treiber” müssen zuerst die beschleunigten Grafiktreiber aktiviert, und danach ein Neustart des Rechners durchgeführt werden. Danach sollte auf der Befehlszeile folgendes abgefragt werden können:
    $ glxinfo | grep direct
    direct rendering: Yes
  • Bei Zattoo muss man sich erstmal kostenlos registrieren und kann dann das aktuelle Paket “zattoo-3.0.5.8208-i386.deb” herunterladen, das zwar nur für Ubuntu 6.10 angeboten wird, aber auch prima unter Ubuntu 7.10 funktioniert.
  • Mit einem Rechtsklick auf die Datei wird der Zattoo Player mit dem “GDebi Paket-Installer” installiert; danach muss auch noch das Adobe Flash-Plugin heruntergeladen und installiert werden - im WWW habe ich allerdings gelesen, dass das gar nicht unbedingt sein muss.
  • Zum Schluss jedenfalls muss der Zattoo Player nur noch aufgerufen werden, entweder über das Menü “Anwendungen > Unterhaltungsmedien” oder direkt über die Befehlszeile:
    $ zattoo_player

Der Beweis