Fleetwood Mac

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country gb.gif Britische Rockgruppe ; gegründet 1967

Fleetwood Mac hatten sich im August 1967 von John Mayalls Bluesbreakers abgespalten, denen Peter Green (Gitarre, Stimme, Mundharmonika), John McVie (Bassgitarre), Mick Fleetwood (Schlagzeug, Stimme), zuvor angehört hatten. Vierter Mann des Gründungsquartetts wurde Jeremy Spencer (Stimme, Gitarre); 1968 kam Danny Kirwan (Gitarre, Stimme) hinzu. Ihr Blues hielt sich zuerst so nahe an schwarzen Vorbildern, dass die Zeitschrift Eye von einer "fast lächerlich zu nennenden Mimikry" sprach. Die Klavierfiguren in "Hellhound on my trail" stammten unverarbeitet aus der Memphis Slim-Version von "If you see Kay"; Spencers Gitarrenstil war eine Kopie von Elmore James, Green kopierte B. B. King. Mit Singles wie Greens Black magic woman (1968, GB #37) und Albatross (1969, GB #1), spielten sich die Musiker jedoch rasch frei. 1969 rangierten Fleetwood Mac nach einer Punkteauswertung der britischen Charts durch den Melody maker auf Platz eins: mit 748 Punkten vor den Beatles (671) und vor Stevie Wonder (661). "Black magic woman" kam 1971 in einer Fassung von Santana in den USA bis Platz 4.

Schon im Januar 1968 waren Fleetwood Mac im Plattenstudio musikalisch erfolgreich mit dem Bluesinterpreten Eddie Boyd zusammengetroffen. Bei einer Blues jam at Chess (Titel des Doppelalbums) begegneten sie genau ein Jahr später in Chicago schwarzen Vorbildern wie Willie Dixon (Stimme, Bass), Walter "Shakey" Horton (Stimme, Mundharmonika), Otis Spann (Piano, Stimme) und anderen als gleichwertige Partner. Ebenfalls im Januar 1969 nahmen sie in New York zusammen mit Spann das Album The biggest thing since Colossus auf.

Nachdem Peter Green 1969 ausgeschieden war, profilierte sich Jeremy Spencer auf dem Album Kiln House (1970) als dominierender Musiker. Er sprengte die Bluesfesseln und trieb seine Mitspieler in einen an früheren Teenager-Idolen wie Buddy Holly und den Everly Brothers orientierten Rock'n'Roll, bis auch er während einer Amerika-Tournee Anfang 1971 Fleetwood Mac verliess.

Danach wurde der Gruppensound von Bob Welch (Gitarre, Stimme), Danny Kirwan (Gitarre, Stimme) und McVies Frau Christine McVie (Stimme, Piano), die unter ihrem Mädchennamen Christine Perfect einst zu Chicken Shack gehört hatte, geprägt. 1972 firmierten auch Bob Weston (Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Stimme), Dave Walter (Stimme, Mundharmonika) und Steve Nye (Orgel) unter dem Namen Fleetwood Mac. Als unbestrittener Chef hatte sich mittlerweile der Schlagzeuger etabliert, der den Bandnamen auch in seinen Personalpapieren führte: Mick Fleetwood. Sein Anrecht auf den Gruppennamen wurde im Frühjahr 1974 einer Bewährungsprobe ausgesetzt. Manager Clifford Davis beanspruchte den Namen und schickte eine frisch zusammengestellte Pickup-Band als "Fleetwood Mac" auf USA-Tournee. In der gerichtlichen Auseinandersetzung bekam Fleetwood recht.

Die Gruppe hatte inzwischen beschlossen, in Amerika zu bleiben, und siedelte sich in Kalifornien an. Ihr erstes vollständig in den USA produziertes Album, Heroes are hard to find (1974) mit Fleetwood (Schlagzeug, Perkussion), Weston (Gitarre), Welch (Gitarre, Stimme), John McVie (Bassgitarre), Christine McVie (Tasteninstrumente, Stimme) zeigte sie in guter Form. Als Welch 1975 ausstieg, um das Trio Paris zu gründen, schlug der Produzent Keith Olsen das Duo Lindsey Buckingham (Stimme, Gitarre) und Stevie Nicks (Stimme) als neue Gruppenmitglieder vor. Die erotische Spannung der beiden Bühnenpaare McVie und Buckingham-Nicks zahlte sich schon mit dem ersten gemeinsamen Album Fleetwood Mac (1975, US #1) aus: Sie spielte vier Millionen Dollar ein und wurde sofort mit Platin prämiert. Buckingham, dessen einprägsame Lieder wie "Go your own way", "Monday morning", "Never going back again", dessen Arrangierfinessen und Improvisationsqualitäten ihn schnell zum eigentlichen Leiter erhoben, inszenierte die Lieder mit den Gruppencharakteren wie kleine Theaterstücke. Jeder Musiker spielte eine Rolle, die exzentrische Stevie Nicks die der Isadora Duncan. Dennoch klangen die Stimmen auf den Platten beinahe aseptisch asexuell.

Der zunehmende Erfolg und die fortwährende physische Nähe trieb die beiden Paare in der Gruppe 1976 auseinander. Christine McVie liess sich scheiden und ging eine langdauernde Liaison mit Dennis Wilson (Beach Boys) ein. Zu allem Überfluss renommierte Currie Grant, Lichtmeister der Gruppe, in der Zeitschrift Rolling stone detailliert mit seinen intimen Beziehungen zu beiden Sängerinnen. All diese Wirren fanden ihren Niederschlag im Album Rumours (1977, GB #1, US #1), "einer Art Extrakt aus den Tagebüchern unseres damaligen Lebens" (John McVie). Vier Hit-Singles, darunter Dreams (1977, US #1), transportierten das Album mit weltweit rund 25 Millionen verkauften Exemplaren in die Spitzengruppe der auflagestärksten Tonträger aller Zeiten.

Entsprechend ehrgeizig ging Buckingham das Nachfolgeprodukt Tusk (1979, GB #1, US #4) an. Fast zwei Jahre lang experimentierte er im Studio mit ungewöhnlichen Liedformen und mit dem Klang. Am Ende kostete die Produktion eine Million Dollar und spielte nur vier Millionen wieder ein. Weltweite Tournee-Erfolge glichen die Enttäuschung einigermassen aus; dokumentiert wurden sie durch das Doppelalbum Live (1980). Verstärkte Solotätigkeit von Buckingham, Fleetwood, Stevie Nicks und Christine McVie mit einem soliden und kontinuierlichen Plattenausstoss ließ in den 1980er Jahren das Gerücht nicht verstummen, Fleetwood Mac löse sich auf. Das hatte sich bis 1998 nicht bewahrheitet.

Das Album Mirage (1982, GB #5, US #1) brachte drei Singles hervor, schoss binnen kurzem auf Platz eins und hielt sich 45 Wochen lang in den Charts: ein perfektes Hochglanzprodukt ohne akustische Widerhaken für die Erinnerung. Der Vorwurf des britischen Melody maker, Fleetwood Mac hätten wohl "über ihren Soloplatten vergessen, wie man als Gruppe arbeitet", liess sich angesichts von Tango in the night (1987, GB #1, US #7) nicht aufrechterhalten. Das mit strenger Arbeitsdisziplin täglich zwischen 14 und 22 Uhr produzierte Album wurde von starkem Gruppengefühl getragen. "Es ging", so Christine McVie, "überraschend reibungslos - wie Fahrradfahren: Wenn man erst mal im Sattel sitzt, rollt's ganz von selbst." Mick Fleetwood: "Es gab bei vielen die Furcht, daß die Maschinen bei uns die Herrschaft übernehmen. Und die Leute hatten die überperfekte Musik einfach satt. Kein Atem mehr, kein Gefühl. Ob es Malerei, Literatur, Musik ist - wenn es einen Menschen nicht emotional bewegt, stirbt es nach kurzer Zeit." Insofern war Tango In The Night eine Art Rückkehr zu den frühen Tugenden von Fleetwood Mac auf einer neuen Bewusstseinsstufe.

Im Folgejahr veröffentlichte die Gruppe das Album Greatest hits (1988, GB #3, US #14), trug aber zwei beziehungsreich betitelte neue Lieder bei: "No questions asked" und "As long as you follow". Buckingham hatte die Gruppe 1987 kurz vor einer ausgedehnten Nordamerika-Tournee verlassen. Billy Burnette und Rick Vito (Gitarre, Stimme) traten an seine Stelle. 1988 bereiste die Gruppe Europa und Australien. Die 1990er Jahre begannen mit der Nachricht, Stevie Nicks' erstes Soloalbum Bella donna (1981) sei nun vier Millionen mal verkauft. Für die Neunziger galt: Wer einmal zur Kernmannschaft von Fleetwood Mac gehörte (Peter Green ausgenommen), hat ausgesorgt. Die Musiker veröffentlichten erfolgreiche Soloalben und trafen sich bei gutbezahlten Galas. 1993 nahmen Fleetwood, Buckingham, Christine und John McVie und Stevie Nicks den Titel "Don't stop" als Wahlkampfschlager für den US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton auf. Mick Fleetwood eröffnete 1991 einen Bluesclub in Los Angeles und leistete sich unter dem Namen Zoo (ursprünglich Cholos) 1992 eine neue Gruppe mit Bekka Bramlett, Tochter von Bonnie Bramlett (Delaney and Bonnie), als Sängerin. Nur eine Platte kam bei Capricorn heraus: Shakin' the cage. 1994 kam in Alexandria nahe Washington ein weiterer Bluesclub hinzu.

Gern erinnerten sich die Musiker ihres Bestsellers Rumours (1977), das 1998 noch einmal auf Platz 18 in die britischen Top 20 einrückte, und nahmen für ihr im Third Encore Studio in Los Angeles live eingespieltes Album The dance (1997, GB #15, US #1) einige Titel von damals noch einmal auf - mit zweifelhaftem Ergebnis. "Keine Innovationen", registrierte Rolling stone resigniert, "aber doch der Versuch einer Modernisierung." - "Dass die Sologitarre beim letzten Refrain von Don't stop nicht einsetzt", bemängelte Zitty, "kann einem den ganzen Tag verderben." Die Fans sahen es wieder einmal anders. Sie kauften die 17-Stücke-CD The dance unmittelbar nach der MTV-Ausstrahlung am 6. September auf Platz eins der US-Charts und erwarben für 36 Millionen Dollar rund 750'000 Eintrittskarten für 44 Konzerte einer Tournee, die am 30. November in Landover (Maryland, USA) endete. Die Gruppe mit den Gitarristen Neale Heywood, Brett Tuggle, dem Perkussionisten Lenny Castro und zwei Hintergrundsängerinnen wurde für drei Grammies nominiert, aber nicht ausgezeichnet.

Dafür kamen Fleetwood Mac 1998 in die Rock and Roll Hall of Fame. Bei der Zeremonie im New Yorker Waldorf Astoria wurde "Black magic woman" gespielt von Peter Green (Gitarre), der es komponiert, und Carlos Santana, der es berühmt gemacht hatte. Eine weitere Auszeichnung für "Outstanding Contribution to British Music" schloss sich im Februar bei den Londoner Brit Awards an. Gleichzeitig erklärte Christine McVie, sie stehe für Live-Auftritte künftig nicht mehr zur Verfügung, und liess ihren Grammy für Rumours für 11'500 Dollar versteigern. Auch die US-Plattenfirma Lava Records (im Atlantic-Vertrieb) wollte vom neuerlichen Rumours-Hype profitieren. Sie brachte ein Bündel Coverversionen von Elton John, den Cranberries, Jewel, den Corrs, den Goo Goo Dolls und anderen unter dem Titel Legacy (A tribute to Fleetwood Mac's Rumours) auf den Markt. Im April 1998 passierte das Originalalbum in den USA die Auflagenmarke von 18 Millionen.

Stevie Nicks war derweil auf Amerikatournee, um ihre schlecht verkäufliche 3-CD-Box The enchanted works zu bewerben. Im Juli wurde ein geistesgestörter Fan, der glaubte, sie sei eine Hexe und könne ihn von seiner Homosexualität kurieren, vom obersten Gericht in Los Angeles aus ihrer Nähe verbannt. Ein anderer erhängte sich am Ende ihres Konzertes in Concord (California, USA) an einem Stromkabel. Im November kam der Film Practical magic in die US-amerikanischen Kinos, in dessen Soundtrack Stevie Nicks zusammen mit Sheryl Crow zwei Lieder sang.

Die folgenden Jahre 1999 und 2000 waren durch das Heben von Schätzen aus Fleetwood Macs Frühzeit geprägt. Bei Columbia / Sony erschienen The complete Blue Horizon sessions 1967-1969 in einer 6-CD-Box. In den bisher unveröffentlichten Titeln und Alternativversionen gehörten acht verschiedene Fassungen von Peter Greens "Need your love so bad", über die Peter Kemper in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb: "Mit jedem Neuansatz verwandelt der Gitarrist das melodische Leitthema - die vorher nie veröffentlichte Version mit Christine Perfect am Klavier stellt alle anderen an süffiger Schwermut in den Schatten." Eine bisher schmerzlich vermisste Konzertaufnahme der frühen Fleetwood Mac brachte Rykodisk unter dem Titel Shrine '69 heraus: den Auftritt vom 25. Januar 1969 in der Exposition Hall in Los Angeles, kurz nachdem Danny Kirwan das Quartett als dritter Gitarrist erweitert hatte. Kemper: "Ganz neue Möglichkeiten von Saitenduellen taten sich damit auf. Lodernde Licks und jaulende Phrasen wandern durch diese Konzertaufnahmen." Schliesslich, als "grösste Überraschung", The Boston box auf Snapper Music: drei vorzüglich aufbereitete Konzerte "Live at the Boston Tea Party" vom Februar 1970, kurz bevor Peter Green verwirrt die Gruppe verliess, auf drei CDs mit neun unbekannten Stücken, darunter eine unerhörte Jam Session von Peter Green, Eric Clapton und Joe Walsh. Kemper: "In der 15 Minuten langen Saitenschlacht kollidieren hämmernde Beats und zärtliche Blues-Beschwörungen; leidenschaftliche Frage-und-Antwort-Spiele künden vom Ideal befreiter Kommunikation."

Mit dem Album Trouble in Shangri-La (2001) ging Stevie Nicks nach sieben Jahren 2001 erstmals wieder auf Tournee. Hagen Liebing beurteilte das Album in Tip als "stilvoll und unprätentiös: relativ schlicht gehaltene Songs über Selbstzweifel, Drogen, Krankheiten und unzuverlässige Jungs."

2003 geschah dann doch, was längst niemand mehr erwartete. Mit Say you will (2003, GB #5, US #3) brachte die Gruppe (Fleetwood, McVie, Nicks, Buckingham) ihr erstes Studioalbum seit 15 Jahren heraus. Die 18 neuen Lieder, die je zur Hälfte von Buckingham und Nicks stammten, konnten nur teilweise an das originale Feeling von Fleetwood Mac anschliessen.