1969.06.30 Der Spiegel Nr. 27 S. 125 "Höchster Genuss": Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 13. Oktober 2006, 18:22 Uhr

Film / Neu in Deutschland

Justine (Deutschland / Italien). Jener Spanier Jesus Franco, 38, der schon im Sexfilm Necronomicon die Liebe in Blut und Tränen tunkte, hat nun die Hand an die Justine des Marquis de Sade gelegt; der Quälgeist.

Der göttliche Marquis modellierte die Justine-Figur, während er, sittlicher Abweichungen wegen, über 20 Jahre im Kerker sass. Laster lohnt sich, Tugend nicht - so deutete er die Welt am Lebenslauf der jungen, unschuldigen Justine. Als Laster figurierten sexuelle Bizarrerien.

Von der Schärfe und Kälte der Sade-Prosa ist in Francos Film nichts eingedrungen. Bilder von affigem Schwulst illustrieren ein höchst albernes Sex-Hoppelhoppel.

Vom Kloster, wo es gut und schön war, wird Justine in eine Welt gestossen, wo ihr alle nach der Unschuld trachten, sie mit Eisen brennen, Nadeln stechen, Ketten fesseln und nur ein Maler (Harald Leipnitz) menschlich handelt; er hält die Entkleidete mit begnadetem Pinsel fest.

Romina Power, die minderjährige Justine-Darstellerin, missbraucht ihren ausdrucksvollsten Körperteil zu oft zum Sitzen. Der Sade-Spieler Klaus Kinski, im Kerker von wüsten Lüsten gepeinigt, krakelt mit dem Federkiel und kündet die sadistische Wahrheit des Films: "Wer andere quält, erlebt höchsten Genuss."



Autor: unbekannt